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TÖRN 102.17 – Position 18.01.2017

Position 08:00 hrs 17°53‘ N 33°31’W
Tagesleistung: 142 Nautische Seemeilen (SM) Nordostwind 5, sonnig, leicht bewegte See

Liebe Freunde der ALEXANDER von HUMBOLDT II,

wir, das Green Team müssen wirklich an unserer Einstellung und dem aufkommenden Karibik Feeling arbeiten. Auch heute haben wir wieder die ganze Arbeit an Lara abgetreten. Sie macht ihre Sache aber auch ganz vorzüglich. So fällt uns dieses delegieren auch ganz einfach.

Hier nun kommt Laras Bericht von der Alex-2 des gestrigen Tages und heutigen Morgens. Viel Spaß!
Auf in neue Gewässer: Mittlerweile hat sich das Meer um uns herum in ein tiefes Tintenblau gefärbt und die Alex-2 bahnt sich gemächlich ihren Weg weiter durch das Meer in Richtung Karibik. Doch das Seegebiet bringt auch einige Wetterveränderungen mit sich. In den voraus liegenden Seemeilen haben wir öfter mit stärkerem Wind und Wetter Umschwüngen zu rechnen. Diese machten sich bereits in der vergangen Nacht bemerkbar, in der die 4-8 Wache es kurzzeitig mit böigem Wind und Regen zu tun bekam. Die Erklärung dafür folgte vom Steuermann: kalte Luftpakete treffen zunehmend auf die tiefer liegende warme Luft und erzeugen daher Verwirbelungen und Regen.

18. Januar
Am Morgen hatte das Wetter jedoch wieder zu seinem konstanten, sonnig, warmen und nur leicht windigen Zustand zurück gefunden. Und so konnte auch die Schulung für die (Viel) Leichtmatrosen Anwärter, wie gewohnt um 10:00 Uhr, stattfinden. Diesmal mit dem Thema: Mann über Bord. Dafür wurden die Rettungsinseln genauso wie die Rettungsmittel und die Bereitschaftsboote an Bord erklärt. Zum Ende wurde noch eine vereinfachte „Mann über Bord“ Übung durchgeführt. Über Bord ging ein leerer Beck‘s Bier Karton, welcher demonstrieren sollte wie schnell man einen solchen aus den Augen verlieren kann und wie wenig Zeit demnach der Besatzung auf dem Schiff bleibt, alle Maßnahmen einzuleiten, um die verunglückte Person zu retten. Die Übung verfehlte ihren Zweck jedoch ein wenig, da das Wetter und die Sicht so gut waren, dass wir dem Beck‘s-Karton sehr lange Zeit beim Tanzen über die Wellenberge zusehen konnten, bis er nach einem letzten Wellental irgendwann im unendlichen Blau des Atlantiks verschwand. Vielleicht hätten wir ihm noch länger folgen können wenn wir das zuvor Gelernte angewandt, ihm Rettungsmittel hinter hergeworfen und jemand im Besantopp mit einem Fernglas gesessen hätte. Anschließend jedoch war jedem klar, dass im Ernstfall schwere Wetterbedingungen unserem Beck‘s-Karton schon viel früher an den Kragen gegangen wären.

Doch wir wollen uns natürlich nicht beschweren über das gute Wetter, denn für die Tampenjagd barg besonders der schwache Wind Vorteile. Diesmal haben wir uns den Exot unter den Segeln auf der Alex-2 vorgenommen: das Besantoppsegel. Das Besantoppsegel ist das dreieckige Segel ganz oben am Besanmast und ist in seiner Bedienung sehr speziell. Jegliche Tampen die zu ihm gehören folgen keinem Schema und fordern daher besondere Aufmerksamkeit.
Nach der Theorie folgt bekanntlich die Praxis und so haben wir unser gesetztes Besantoppsegel zur Übung runtergeholt, um es danach direkt wieder zu setzen. Dieses Training erreichte seinen gezielten Effekt, Funktion und Namen der Tampen zu lernen. Alle die ebenfalls interessiert sind, Tampen wie den „Besantoppsegelhals Aufholer“ kennenzulernen, sind herzlich eingeladen einen Törn auf der Alex-2 zu erleben, um, unter anderem, dem Geheimnis des Besantopsegels auf den Grund zu gehen.
Unser Bootsmann Tönne sucht weiterhin Freiwillige für kleine und größere Reparaturarbeiten an der Alex-2. Dabei ist die Arbeit an den Schlitten der Rettungsinseln schon weit fortgeschritten. Immerhin sind mittlerweile zwei der insgesamt acht Schlitten vom Rost befreit und fertig gestrichen. Für viele war dies auch gestern eine willkommende Beschäftigung vor dem Abendessen. Andere verbrachten diese Zeit auf dem Vorschiff und lauschten den Geschichten des kleinen Hobbits, welche Ricarda und Ilija in englischer Sprache vorlasen. Der Kreis des Auditoriums wurde immer größer.

Die Wahl der Nachmittagsbeschäftigung fiel an diesem Tag nicht leicht, denn auf dem Achterschiff konnte man ebenfalls spannenden Geschichten lauschen. Steuermann Volker erklärte die traditionelle Weise der Bestimmung des Schiffsstandortes, welche schon die Babylonier in stark vereinfachter Form nutzen. Das Navigieren mit den Sternen. Dafür zeigte er wie man mit dem Sextanten die Sonne schießt. Es dauerte zwar etwas länger bis alle den Kippwinkel und die Noniusstellschraube richtig eingestellt hatten. Doch es konnte eine Messung vorgenommen werden. Wer richtig viel übt, kann es schaffen den Standort bis auf eine Seemeile genau zu bestimmen.
Apropos Astronavigation am Abend waren am Himmelszelt wieder zahlreiche Sterne zu besichtigen inklusive dem Kreuz des Südens und die unverkennbar helle Venus. Dabei hat sich auch ein neuer Lieblingsplatz zum „Sterne gucken“ etabliert: besonders bequem ist es laut den Genießern auf dem im Vorschiff liegenden Vorstengestagsegel, welches nicht nur einen guten Schutz sondern auch eine exklusive Sicht auf das Himmelszelt bietet.
Die Nacht brachte in ihrer zweiten Hälfte wieder einige Störungszellen, welche deutlich auf dem Radargerät sichtbar waren, mit sich. Die Störungszellen oder auch Regenwolken wurden durch frühes Bergen der Vor- und Großroyal sicher abgewettert.

Und so pflügt die Alex-2 weiter sicher durch den Atlantik mit Kurs auf die Karibik. Und auf ihr eine weiterhin begeisterte Lara. Die uns, dem Green Team, so langsam die Arbeit wegnimmt. Aber warum auch nicht? Genießen wir die Zeit, unser Auftritt kommt schon noch. Wir recherchieren weiter.