Tag 22: 20.08.2017 Der Bootsmann – Ein Kopf und viele Hände
Position: Breite: 49° 15‘ Nord, Länge: 9° 38‘ West
Wetter: 20 ° C, bewölkt mit Wolkenlücken Zurück gelegte Seemeilen: 2611
Heute um 02:26 h haben wir den Festlandsockel erreicht. Dank südlicher Winde war es ein ruhiger Übergang von der Tiefsee in diese mit nur noch 200 m Tiefe „flachen“ Gewässer. Zur Freude der 0-4 Wache wurde diese über eine Stunde von einer Delphinschule begleitet, die den Nebel und die einzelnen Schauer vergessen ließen.
Tagsüber sind wir am Längengrad von Fastnet Rock vorbei gesegelt und es sind nur noch 225 Seemeilen bis zur Ziellinie. Auch hat der erste Bass-Tölpel – wahrscheinlich aus Irland – der Alex schon seine Aufwartung gemacht.
Auf Deck ist alles grün. Am Vortag sind das Vorbram und der Innenklüver beschädigt worden und liegen über Deck zur Reparatur. Unser Bootsmann, der bislang vorrangig unsere Rostentferner und Maler in ihrem Arbeitseifer bändigen und im Zaun halten musste, überwacht die Näharbeiten. Zum Glück ist seine Last (=Vorräte) gut bestückt.
Wer in der Zeit die Bestandslisten aktuell hält, hat halt in der Not auch alles an Bord. Denn mal eben in den Baumarkt zu fahren, um die fehlenden Ersatzteile zu holen, fällt hier – ca. 100 Seemeilen vom nächsten Land entfernt – etwas schwer. Überhaupt muss der Bootsmann hier ein Alleskönner sein.
Von den Aufbauten an Deck bis zur Einrichtung unter Deck, von der Mülllast bis zum Bunkern von Frischwasser reicht sein Verantwortungsbereich. Zu seinen täglichen Routinearbeiten gehört es zu überprüfen, ob alles in einem guten Zustand ist. Wenn es dann doch mal zu einem Schaden kommt – niemand würde es dem Bootsmann abschlagen, einen Hammer oder eine Nadel in die Hand zu nehmen.
Dafür sorgt er dann auch im Notfall dafür, dass alles schnell geht. Denn wenn etwas am Deck insbesondere im Rigg ein Unfall passiert, dann leitet er die Rettungsmanöver. Zu den schöneren Aufgaben gehört seine Verantwortung für unsere Schlauchboote, die er auch während der Manöver beibehält. Hoffentlich ist mit diesen alles klar, wenn wir vor England die erste Nacht außerhalb von Falmouth ankern.
Annette

