Törn: 122.18
Datum: 20.05.18
Mittagsposition: Hafen in Scheveningen
Das Wetter: neblig, es nieselt leicht vor sich hin, die Aussichten sind trübe und unvollständig
Titel/Überschrift: von Scheveningen (Holland) nach Bremerhaven
Tag 1: Noch liegt die Alex im Hafen von Scheveningen. Während die Besatzung Baked Beans zum Frühstück verspeist, zieht vom Meer her eine Nebelbank auf, die die Alex anscheinend sehr gern hat und uns den ganzen Tag nicht mehr verlässt.
Noch ist „Open Ship“ im Hafen von Scheveningen und wir werden bei der Sicherheitseinweisung über Rettungsinseln von neugierigen Kindern beobachtet. Das Setzen des Besanstängestagsegels finden die Beobachter besonders spannend. Wie auch immer es für Besucher aussehen mag, wenn ein Haufen Leute an einem Tampen zieht und dabei laut „Hol-Weg-Hol –Weg –Hol-Weg“ schreit – wenn man selber dabei ist fühlt es sich toll an.
In der Alex-Crew sind neben eingefleischten Seglern auch viele, die zum ersten Mal segeln. Ohne Vorahnung, ohne Job und Familie – nur für sich, auch wenn sie vorher nie etwas mit Segelsport zu tun gehabt haben. Es gibt junge Leute, ältere Leute, qualifizierte Segler, Matrosen und Steuerleute und auch einige Pärchen, sogar kleine Familienverbände.
Ein kleines Abenteuer ist es, wenn man das erste Mal ins Rigg hochklettern darf. Von unten sieht es sehr hoch aus, ist man aber erst einmal oben belohnt uns die Aussicht (wenn man denn den Nebel ignoriert).
Zum Mittagessen in der Messe des Schiffes zaubert Oskar „Sonnenstrahlen mit Mondkrümeln“ auf den Tisch – in einigen Regionen auch bekannt als Spaghetti-Bolognese. So, und nach dem Essen geht es dann endlich richtig los: die Alex verlässt den Hafen und begibt sich hinaus auf die Nordsee. Allerdings sind wir gezwungen, mit dem „Unterwasserbesan“ – oder auch Maschine – zu fahren. Der Nebel wird immer dichter. Man sieht außer dem Schiff nur noch Möwen und einen kleinen Segler voraus.
Der Wind kommt von vorne, weshalb der Luftwiderstand für die Alex besonders gering sein muss. Damit das gelingt, müssen wir die Rahen an den Masten neu ausrichten. Alle sind an Deck und packen beim Umbrassen mit an. Dann übernimmt die „stehende Wache“ und macht das Deck klar, der Ausguck lässt sich das erste Salzwasser ins Gesicht peitschen.
Die Nordsee ist im Mai noch ganz schön kalt. Die Kombüse hat sich schon am ersten Tag ins Zeug gelegt und die durchgefrorenen Wachleute werden in der Messe mit warmen Rhabarberkuchen versorgt. An Deck wird geübt, wie man „zu einem menschlichen Katapult transformiert“, um beim Anlegen die Wurfleinen richtig zu werfen. Wir sind eben auf einem Segelschulschiff.
Der Tag endet mit der Nacht, in der die Trainees bis auf wenige durchschlafen können. Wir fahren weiter mit der Maschine und hoffen darauf, morgen Segel zu setzen.
Es grüßen Kapitän Klaus, die Bordberichterstatter Pia und Jens und der Rest der Crew

